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von Annabelle Meinhold, erschienen am 10. September 2009

Kunst auf Twitter

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Twitter ist nicht nur 140 Zeichen Microblogging, sondern auch Kunst. Zumindest, wenn @frauenfuss microblogged. Hinter dem Pseudonym Frauenfuss steckt die Grafik-Designerin Michaela von Aichberger. Ihre Follower zu zeichnen, hatte zuerst als netter Gimmick begonnen, doch dann fanden nicht nur die Künstlerin, sondern vor allem ihre Follower Spaß daran und verlangten nach mehr. 

 

Bewaffnet mit Moleskine-Notizbuch, Blättern, Finelinern und Copics macht sich Michaela von Aichberger - in der Twitterwelt als @frauenfuss bekannt - vor ihrem PC ans Werk, um der Gefolgschaft ihre ganz eigene Note zu verpassen. Wörterladen wollte hinter die Kulissen ihrer Arbeit schauen und hat die Grafik-Designerin nach ihren bisherigen Twitter-Erfahrungen gefragt.

 

Wörterladen: Wie sind Sie zu Twitter gekommen?

@frauenfuss: Unsere Diplom Informatikerin @steFUNie_oO hat mich auf Twitter gelotst. Sie konnte nicht ahnen, was sie damit anrichtet! (lach)

 

Wörterladen:  Sie haben auf Twitter ihren ganz eigenen Stil entwickelt, in dem Sie Ihre Follower malen. Wie kamen Sie auf diesen Einfall?

@frauenfuss: Ich hatte ab und zu Urlaubsskizzen getwitpict und irgendwann aus Spaß Herrn  (den hervorragenden Texter Michael Budde) in mein Moleskine gemalt. Das Feedback war enorm. Mit meinem daraufhin getätigten Tweet: „Ja ha ha. Ich hab jetzt DIE Idee, ich mal einfach alle meine Follower in mein Moleskine“ besiegelte ich meinen Einfall. Seitdem vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens ein Bild meiner Verfolger zeichne; meine Anhängerschaft wächst dabei stetig. Ich werde also so schnell nicht „arbeitslos“.

 

Wörterladen: Wollten Sie mit Ihrer Idee Geld verdienen oder haben Sie damit angefangen, weil Sie gerne zeichnen und es Ihnen Spaß macht?

@frauenfuss: Als ich damit startete, sollte es nur ein kleiner Gag sein. Ich hatte dabei keinerlei Hintergedanken. Die ganze Aktion macht mir riesigen Spaß, ich beschäftige mich fast in meiner ganzen Freizeit mit dem Gedanken, wie ich wen malen könnte. Sie birgt aber durchaus Akquise-Möglichkeiten. Ich habe bereits ein paar sehr nette Aufträge dadurch generiert. Vor drei Monaten fing ich mit dem Zeichnen an, seither habe ich 167 Follower gemalt. Wenn mir das keinen Spaß machen würde, wäre es so nicht durchführbar! Und ich habe durch meine Zeichenarbeit geniale und liebe Menschen kennengelernt. Mit den Twitpics werde ich erst aufhören, wenn keiner mehr das Wort Frauenfuss hören kann!

 

Wörterladen: Welche Informationen über Ihre Follower benötigen Sie, um ein Bild von Ihnen zu zeichnen?

@frauenfuss: Ich studiere die Tweets, den Auftritt, das Twitter-Design, das Verhalten. Manchmal befrage ich die Follower noch ein bisschen und gehe natürlich auch gerne auf ihre Wünsche ein! Am liebsten male ich Leute, die greifbar sind und viel Stoff bieten. Wenn einer sehr sachlich tweetet und @rzt164 heißt, seinen Account in keinster Weise mit Design aufgepeppt hat, dann habe ich keine Angriffsfläche. Eine Elsebuschheuer, die twittert, dass sie mit Hut in der Wanne sitzt oder nackt vor ihrem Laptop, lässt sich um einiges leichter zeichnen.

 

Wörterladen: Wie lange brauchen Sie für ein Bild – von der Recherche über die Idee bis zur Fertigstellung?

@frauenfuss: Manche Zeichnungen sind in drei Minuten zu Papier gebracht, für andere brauche ich zwei Stunden. Danach erstelle ich ein printfähiges Bild, retuschiere dabei kleine Fehler und bereite mein Werk fürs Web auf. Das kostet zusätzlich 30 bis 60 Minuten. Aber es ist mir jede Minute wert!

 

Wörterladen: Hat Twitter Ihnen bereits ein paar lukrative Angebote eingebracht?

@frauenfuss: Mit @unwiderstehlich starte ich aktuell ein Buchprojekt. Ich werde die Illustrationen liefern und auch das Coverdesign gestalten. Und für @wimbauer werde ich das neue Verlagsdesign kreieren. Mit @gebenedeite zusammen werde ich skurrile Postkarten für jeden Anlass entwerfen - sie textet, ich zeichne. Die Karten und der passende Trailer dazu, sind bereits in Arbeit.  Die arme @buchmamsell warten zudem schon unheimlich lange auf gestalterischen Input für ihre Webseite. Auch mit @silenttiffy ist ein Buchprojekt angedacht, dass aber noch in der Brainstormingphase steckt!

 

Derzeit bereitet Michaela von Aichberger ihre ersten beiden Ausstellungen mit den Twitpics vor. Wer auch eine persönliche Zeichnung von ihr erhalten will, sollte ihr einfach folgen.

Blog: "Wörterladen-Blog"

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