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von Karl Friedrich Weiland, erschienen am 8. April 2008

Soziale Netzwerke - gestern, heute, morgen

Facebook, studiVZ & Co. erhalten bald neue Konkurrenz: Wordpress und XML

 

Während MySpace noch immer mit über einhundert Millionen Nutzern das größte Soziale Netzwerk ist, gilt Facebook mit nunmehr 60 Millionen immerhin als das dynamischste – dank starkem Wachstum und der Öffnung für externe Entwickler. StudiVZ hat hingegen zumindest den deutschen Markt fest im Griff. Wer nun fragt, welcher Anbieter in fünf Jahren den Bereich der sozialen Vernetzung in Deutschland dominieren wird, erhält in der Regel einen der drei Kontrahenten als Antwort.

Das kann stimmen, muss aber nicht. Das Beispiel Google zeigt, wie auch bereits aufgeteilte Märkte im Web von innovativen Unternehmen erobert werden können. Dies gilt insbesondere dann, wenn neue Technologien zur Verfügung stehen. Viele der großen Web 2.0-Startups haben vormalige Platzhirsche verdrängt, die nicht so gut mit dem Wandel Schritt halten konnten. Statt in einfachen Webverzeichnissen sucht man heute vornehmlich bei Social-Bookmarking-Diensten und aus den Webforen gab es einen Nutzer-Exodus hin zu den sozialen Netzwerken.

Warum sollte es nicht auch Facebook & Co. ähnlich ergehen?

Die erste Welle der Herausforderer der zentralisierten sozialen Netzwerke wird wohl aus dem Open-Source-Bereich kommen. Es erstaunt mich ohnehin, daß es noch immer keine gute – und zumindest einigermaße verbreitete – Social-Network-Software auf Basis von freier Software gibt. Vielversprechende Projekte wie PHPizabi oder AroundMe konnten sich wegen schwieriger Installation, umständlicher Bedienung und zu kleiner Entwicklerbasis nicht durchsetzen. Dass der Durchbruch allem Anschein nach von einer Blogging-Software ausgeht, hätten wohl die wenigsten gedacht. Gemeint ist Wordpress.

Schon seit längerem gibt es von Wordpress eine Multi-Blog-Variante, Wordpress Mu. Enable.de läuft übrigens auch damit. Ebenso wie Wordpress.com, ein Netzwerk mit derzeit immerhin 2,6 Millionen Blogs. Es war anscheinend nur eine Frage der Zeit, bis einer der Nutzer der freien Wordpress Mu-Software diese zu einem einfachen sozialen Netzwerk umbaut. Das Ergebnis war ChickSpeak, ein Netzwerk für College-Studentinnen. Der Entwickler, Andy Peatling, begnügte sich nicht damit, sondern brachte den WP Mu-Mod als BuddyPress heraus. Mittlerweile hat sich der Wordpress-Entwickler Matt Mullenweg mit seiner Startup Automattic dem Social-Networking-Addon angenommen und entwickelt es momentan weiter. Auf der BuddyPress-Website kann man bereits eine Entwicklerversion downloaden. Sobald eine stabile Version verfügbar ist – und lange wird es nicht mehr dauern – kann jeder, der die freie Wordpress-Mu-Software verwendet – so auch die FTD mit Enable.de – daraus mit wenig Aufwand ein soziales Netzwerk machen.

Allein die Aufrüstung von Wordpress.com mit den SN-Funktionen wird einen ernstzunehmenden Herausforderer für Facebook & Co. entstehen lassen. Die Entwicklergemeinde um Wordpress ist sehr aktiv. Täglich werden neue Plugins und Templates herausgebracht. Viel wichtiger aber ist, dass durch die kostenlose SN-Software im Bereich der Nischen abertausende Soziale Netzwerke entstehen, die alle auf der gleichen Softwareplattform laufen. Der Big Bang dürfte dann im zweiten Schritt kommen.

Die Sozialen Netzwerke von morgen sind weder zentral wie (das gestrige) Facebook oder in Form einzelner Installationen wie (das heutige) Wordpress Mu mit BuddyPress sein. Das morgige Netzwerk ist ein soziales Internetzwerk. Gibt es genügend einzelne Installationen auf gleicher Softwarebasis, so gibt es auch den Anreiz, Schnittstellen zu entwickeln, um diese Insellösungen zu einem verteilten, umfassenden, Sozialen Netzwerk zu verknüpfen. Die Basis dieser Verknüpfungen wird XML sein. Schon jetzt gibt es mit NoseRub ein Startup, das eine solche Lösung verfolgt. Doch den durchschlagenden Erfolg dürfte sie wohl erst in Verbindung mit einer einfach installierbaren und ebenso einfach erweiterbaren Open-Source-Plattform wie Wordpress haben.

Angesichts dessen könnten in fünf Jahren vielleicht MySpace und Facebook nicht mehr die dominierenden sozialen Netzwerke sein. Wenn sie klug sind werden sie sich mit der Entwicklung arrangieren, wenn nicht, werden sie zu neuen Altavista.com und Go.com.

Web-Unternehmer

von Karl-Friedrich Weiland

Rechtsanwalt und Gründer von kapitalismus.de

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