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von Claus Hornung

Kaufda

Sie überzeugten mehrere Investoren und bereits zum zweiten Mal die User des FTD.de-Gründermarktplatzes: In der 8. Kalenderwoche 2010 ist Kaufda erneut zum Gründer der Woche gewählt worden. Das erste Mal geschah dies in der 10. Kalenderwoche 2009. Das Konzept des Start-ups: Warum mit Werbeprospekten Briefkästen verstopfen, wenn sie doch online für Kunden und Verkäufer viel mehr Nutzen bringen?

 

KaufDA.de

Sagt, wo kann man günstig den Einkaufswagen füllt: Das Team von Kaufda.de

Briefkästen, die mit Prospekten überquellen, sind kein deutsches Phänomen. In den USA wird ein Vielfaches an gedrucktem Werbematerial verteilt – so die Erfahrung von Tim Marbach und Christian Gaiser im Sommer 2008. Da hielten sich die beiden Freunde und Kommilitonen drei Monate lang im kalifornischen Silicon Valley auf. Zum einen, um für die Abschlussarbeit ihres BWL-Studiums zu recherchieren. Zum anderen, um eine Geschäftsidee zu finden, mit der man sich nach Studienende selbstständig machen könnte. Sie fanden sie im Briefkasten.

"Den ganzen Werbemüll liest doch kein Mensch", sagten sich die beiden. Online hingegen würde das ganze schon viel mehr Sinn ergeben. Eine Woche nach ihrer Rückkehr gründeten sie Kaufda – ein Portal, auf dem Käufer alle Angebote und Schnäppchen finden können, die es in Geschäften ihrer Umgebung zu kaufen gibt. Dafür digitalisiert das Kaufda-Team, dem neben Marbach und Gaiser noch die Wirtschaftsinformatiker Thomas Frieling und Cihan Aksakal angehören, die Prospekte örtlicher Anbieter. User können nicht nur schnell alle Angebote miteinander vergleichen, sondern auch gezielt nach den Angeboten der nächstgelegenen Geschäfte suchen. Oder nach bestimmten Produkten – von Lebensmitteln über Schmuck bis hin zu Autozubehör.

Am 1. Dezember 2008 ging Kaufda online. Dass kurz zuvor eine weltweite Wirtschaftskrise begonnen hatte, war das Beste, was sich Marbach für den Geschäftsstart wünschen konnte: "Alle wollen Geld sparen. Und das kann man mit dem am besten, wofür man am meisten ausgibt: Dinge des alltäglichen Bedarfs."

Mittlerweile arbeiten, freiberufliche Mitarbeiter und Praktikanten eingerechnet, rund 30 Menschen für Kaufda. Die fleddern allerdings nur in Ausnahmefällen Lokalzeitungen und Anzeigenblätter, um deren Anzeigen zu scannen – den weitaus größten Teil der Prospekte liefern die Geschäfte selbst. Denn die könnten ihre Kunden so viel effektiver erreichen, sagt Marbach. Zum einen, weil die Kunden gezielt nach Produkten suchen könnten statt sich durch unzählige Prospekte zu wühlen. Zu anderen, weil die Werbetreibenden so Geld sparten. Vier bis fünf Cent koste der Druck eines einzelnen Prospekts, noch einmal dasselbe die Verteilung. Weil aber nur jeder fünfte Prospekt vor dem Weg in die Brieftonne überhaupt gelesen würde, koste jeder erreichte Kunde den Werbetreibenden 50 Cent, rechnet Marbach vor. Insgesamt würden in Deutschland zwei Milliarden Euro jährlich in Printwerbung investiert.

Das Konzept hat inzwischen auch mehrere Geldgeber überzeugt, darunter die Venture-Capital-Tochter des Otto-Konzerns. Zusammen investierten diese im August 2009 einen siebenstelligen Betrag in das Start-up.

Ganz nebenbei rette Kaufda auch die Umwelt, sagt Marbach, nur halb im Scherz. Denn pro Jahr landeten in jedem deutschen Briefkasten durchschnittlich 33 Kilo Werbung. "Das ist pro Briefkasten alle sieben Jahre ein Baum." Darum gibt es jetzt auf Kaufda auch Briefkastensticker zu bestellen, die gleichzeitig als "Bitte keine Werbung"- Aufkleber als auch aus Kaufda-Werbung dienen. Eine Million davon will Marbach unters Volk bringen. "So retten wir eine Million Bäume."

Erschienen am 17. März 2009

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