Jobtweet macht Twitter zur Stellenbörse. Dafür wählten die Leser des FTD.de-Gründermarktplatzes die Initiatoren in der 32. Kalenderwoche 2009 zu den Gründern der Woche.
Twitter? Das ist doch der Kurznachrichtendienst im Internet, auf dem jeder in bis zu 140 Zeichen veröffentlichen kann, was ihm gerade in den Sinn kommt. Ein Online-Spielplatz. Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Jan Kirchner und Alexander Fedossov wollen mit Hilfe von Twitter Geld verdienen.
Denn auch Unternehmen nutzen den Dienst, etwa um Links zu Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Was hier stets fehlte, war allerdings eine entsprechende Suchfunktion. So bekam der Schreiner aus Hamburg Angebote für Krankenschwestern in München. "Firmen und Stellensucher redeten aneinander vorbei", sagt Jan Kirchner. Das wollten er und Alexander Fedossov ändern. Die beiden 30-Jährigen, die bereits gemeinsam eine Personalberatung betreiben, entwickelten den Suchdienst Jobtweet. Im März 2009 haben sie die Website freigeschaltet, über die sich Bewerber und Unternehmen bei Twitter suchen und finden sollen. Interessenten können Stellenangebote nach Beruf und Ort filtern und Gesuche aufgeben. Genauso können Unternehmen sowohl suchen als auch freie Positionen veröffentlichen.Die technische Entwicklung hat bisher am meisten Arbeit gemacht, sagt Kirchner. Die Kindheitsprobleme, wie er die Programmierungshürden nennt, sind jetzt aber gelöst. Im nächsten Schritt konzentrieren sich die Gründer darauf, ihre Idee publik zu machen. Dabei hilft ihnen, dass Twitter selbst mittlerweile so populär ist. "Anfangs haben die Personaler noch verhalten auf unser Konzept reagiert", sagt Kirchner. Bei der sprunghaft gewachsenen Bekanntheit des Nachrichtendienstes - die Nutzerzahlen stiegen um fast 1400 Prozent innerhalb eines Jahres - legten die Unternehmen ihre Skepsis aber bald ab.
Geld verdienen wollen Kirchner und Fedossov mit einem Freemium-Konzept, also einer Mischung aus kostenlosem (free) Basisangebot und kostenpflichtigen (premium) Extras. So sind alle Angebote für Arbeitssuchende bei Jobtweet gratis. Auch Arbeitgeber zahlen nichts, solange sie Vakanzen selbst eintragen. Erst wenn ein Unternehmen Jobtweet beauftragt, seine Stellenangebote einzustellen, fallen dafür Kosten an. Diese Dienstleistung lohnt sich vor allem für größere Unternehmen, die viele Stellen ausschreiben. Außerdem sorgt Jobtweet dafür, dass die entsprechenden Einträge auch nach zwei Wochen noch gefunden werden, anders als sonst bei Twitter üblich. "Twitter hat mit seinem Dienst noch kein Geld verdient", sagt Kirchner. "Wir schon."
Erschienen am 17. August 2009
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