Es ist nicht einfach die Mutterrolle mit dem Beruf zu verbinden. Eine Firma zu gründen als Mutter eines Babys erscheint Wahnsinn. Dennoch habe ich diesen Sprung gewagt, da ich von meiner Idee überzeugt war. Ich bin auf die unterschiedlichsten Meinungen gestoßen, während ich mich durch den Papierdschungel des dt. Gründerwaldes geschlagen habe. Positive wie negative. Die Positiven kamen meist von Müttern, die meine Energie, meinen Willen, meinen Mut und meine Organisation bewunderten. Die Negativen kamen "leider" meistens von Männern - die immer noch die Geschäftswelt dominieren. Es waren Zweifel an meinen generellen Fähigkeiten, aber vor allem daran, dass ich nicht einschätzen kann, was sich wirklich auf dem Markt verkaufen lässt und wie die Nachfrage ist. Das ich nicht bemessen kann, wie groß der Aufwand ist, denn man betreiben muss, um eine Firma zu gründen und das ich ein zu großes Risiko bin, um finanziell in mich zu investieren, weil ich nicht "Vollzeit" arbeite.
In der Anfangsphase der Gründung habe ich ein 5-tägiges Abendseminar der IHK besucht. Jeden Abend ein anderer Referent – jeden Abend die gleiche Frage an die Gruppe: „ Sie müssen sich fragen – gebe ich wirklich alles?“
Ich habe nächtelang nicht geschlafen, weil meine 5 Monate alte Tochter einen Magen-Darmvirus hat. Habe sie tagelang durch die Wohnung getragen. Mir tut alles weh – ich kann meine Augen kaum aufhalten und doch sitze ich hier jeden Abend und versuche alles aufzusaugen, was ich noch lernen kann. Gebe ich also genug? Was denken Sie?
Eine Bank lehnte meine Kreditanfrage ab, weil ich Branchen - fremd bin. Bis zu einem gewissen Grad kann ich diesen Grundsatz verstehen, aber wer wenn nicht ich als Mutter könnte mehr wissen, was eine Mutter möchte? Ich habe Vertrieb und Management Erfahrung und bürge mit meiner Eigentumswohnung. Habe weit gestreute Kontakte durch meine berufliche Laufbahn und habe Networking schon lange praktiziert, bevor es zum Schlagwort wurde. Mein Vater war Einzelhandelskaufmann und hatte ein eigenes Geschäft, indem ich auch mit anfassen musste. Ich finde das ist eine sehr breite Streuung der nötigen Erfahrungen und Fähigkeiten. Aber als gelernte Reiseverkehrskauffrau – bin ich eben offiziell nur ein „halber“ Kaufmann.
In einem mögen all diese Stimmen Recht haben – ich verstehe die Welt wohl nicht richtig. Wir wollen mehr Kinder in diesem Land – damit jemand unsere Rente zahlt. Wir wollen mehr Gründer und Ideen, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Aber „wir“ wollen um Gottes Willen nicht derjenige sein – der sich um diese Punkte kümmert, unterstützt oder gar hilft.
Aber das war mir egal – ich glaubte an meine Idee. Und dieser Widerstand stachelte mich nur an. Ich würde diesen Weg wagen.
Gisela Busch (Lebenslauf)Neuester Beitrag: Mehr Schlaf für Eltern…
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