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von Claus Hornung, erschienen am 31. Oktober 2007

Ein Knochenjob

Mario T. Cameron wirkt abgekämpft. Am Vorabend war er 4,5 Stunden mit dem Zug von Mannheim nach Hamburg gefahren. Vormittags Termin in einer Druckerei. Jetzt, am späten Nachmittag, sitzt er in der Hamburger FTD-Redaktion. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein ausgebreitetes T-Shirt mit acht grauen Quadraten mit Fingerabdruck-ähnlichem Riffelungen.

In einige der Quadrate sind Logos enthalten. Auch dies kann die S2i-Technologie: Merkmale werden am Computer in scheinbar unstrukturierte Muster eingearbeitet und ausgedruckt. "Die Folie habe ich selbst aufgebügelt", scherzt Cameron. Dann fotografiert er ein Quadrat mit seiner Handy-Kamera, auf das die S2i-Software aufgespielt ist – jetzt sollte ein Lacoste-Krokodil oder ein Puma erscheinen. Doch im Display erscheint nur ein graues Quadrat. Auch beim zweiten und dritten Versuch.

Ein Auszug aus
meinem "Tagebuch"

Von Mario T. Cameron

Heute war ein Tag ohne Krawatte und ohne Anzug – mit dem Fahrrad unterwegs.

08:00 Ich arbeite (ohne Frühstück) am Geschäftsplan … zum ersten Mal seit Mitte August … vieles ist nicht mehr aktuell.

09:00 Ich muss die ganzen Belege der Reisen... Mehr

"Vorführeffekt" sagt Cameron mit müder Stimme. Am Vormittag bei "Grindeldruck" hatte es geklappt. Dort hatte sich Cameron darüber informiert, wie die Arbeit in der Druckerei funktioniert. Beispielsweise, welche Erkennungsmerkmale auf Konzertickets kommen und wie sie kontrolliert werden. "Da haben wir noch keine Möglichkeit", sagt Cameron. Die Option, mit einem Scanner die Tickets mit einer Datenbank abzugleichen, wäre bei mehreren 10.000 Konzertbesuchern nicht praktikabel. "Wir haben noch viel Arbeit, vieles ist noch nicht da."

Er hat seinen 12-jährigen Sohn mit nach Hamburg genommen. Damit er versteht, was sein Vater macht. Damit er sieht, dass ein Besuch in der Großstadt kein Vergnügen bedeutet, sondern, um 8.30 Uhr morgens ohne Frühstück in die Druckerei zu fahren, in die FTD-Redaktion zu hetzen und erst spät nachts wieder in Mannheim anzukommen.

"Früher, als ich Entwickler war, wusste ich, was ich abends gemacht habe. Das ist der große Unterschied, wenn man die Seiten wechselt." Ein "Knochenjob" sei das. "Ich muss immer begeistert sein, immer motiviert sein. Heute stand ich in der U-Bahn und fragte mich: Warum tust Du dir das eigentlich an?"

Die Antwort? "Vielleicht ist es genetisch. Andere steigen auf Berge oder machen Extremsport", sagt er. "Ich glaube trotzdem, dass es besser ist, als angestellt zu sein. Dann sind andere für Ihre Zukunft zuständig. Ich bin selbst zuständig – für meine Niederlagen und meine Erfolge." Ohne seine Frau, sagt er noch beim Abschied, wäre das alles nicht machbar. Nur deswegen, hätten sich mehrere Kollegen von ihm nicht selbstständig gemacht: "Wenn die Frau nicht mitmacht, macht keiner mit."

Am nächsten Tag schickt er mir eine Mail mit zwei Videos. Ein neuer Versuch mit dem T-Shirt. Die Bilder sind unscharf, aber man kann erkennen, was auf dem Handy-Display erscheint: ein Krokodil und ein Puma.

 
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