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von Claus Hornung, erschienen am 30. September 2007

BREAKFAST FOR ONE -
DIE STORY VON MYMUESLI

Zu wenig Schokolade, zu viele Rosinen und warum hat noch niemand an Mangostücke gedacht? Auf Mymuesli.com kann jeder Müsliebhaber seine persönliche Lieblingsmischung mischen und bestellen.

 

Ein Tipp in Sachen Geschäftsgründung gleich vorneweg: Umfragen taugen nur bedingt zur Marktforschung. Als Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock planen, einen Internetshop zu eröffnen, in dem man sich aus 75 Zutaten die eigene Müslimischung zusammenstellen kann, verschicken sie eine Rundmail. Die Antworten von 450 Freunden und Bekannten fördern zwei Ergebnisse zutage. Erstens: Alle Befragten sind auf der Suche nach der perfekten Mischung. Zweitens: Niemand will Müsli im Internet kaufen. „Hätten wir uns auf die Umfrage verlassen, hätten wir es nie machen dürfen“, sagt Bessau.

Erste Firmengründung während des Studiums

Gegründet
April 2007
Firmensitz
Passau
Geschäftsführer
Hubertus Bessau, 27
Philipp Kraiss, 27
Max Wittrock, 25
Geschäftsidee
Müsli aus 75 Zutaten
online mischen und bestellen

Fünf Monate später haben die drei mit Mymuesli rund 125 000 Euro Umsatz *erzielt. Sie beschäftigen zehn studentische Aushilfen – und wundern sich immer noch. "Wir haben gedacht: Das ist ein tolles Produkt, aber eine ganz schlechte Geschäftsidee."Es ist nicht die erste eigene Firma, mit der Bessau und Kraiss an den Start gehen. Die beiden eröffnen bereits während ihres BWL-Studiums eine Automatenvideothek. "Dabei haben wir mehr gelernt als auf der Uni. Uns war klar, dass wir danach wieder etwas Eigenes machen."

Auf die Idee kommen sie durch einen schlechten Müsliwerbespot. Sie sind sicher: Wir könnten nicht nur einen besseren Spot machen, sondern auch ein besseres Müsli. Eines, das jedem schmeckt. Dem Mangoliebhaber, dem Rosinenhasser und dem Haselnussallergiker. Weil er es selbst zusammenstellen kann. Und weil alle Zutaten aus biologischer Produktion stammen.

Für die rechtliche Fragen und Pressearbeit holen sich Bessau und Kraiss ihren Freund Max ins Team, einen Juristen mit journalistischer Ausbildung. Ein halbes Jahr lang programmieren die drei ihre Seite, recherchieren Lieferanten von Ökozutaten und einen Verpackungshersteller, der die gewünschte runde Dose anbietet, ohne eine Mindestabnahme von sieben Millionen Stück pro Jahr zu verlangen. In die erste Lieferung investieren sie 4000 Euro. Weitere 1000 Euro stecken sie in die "Manufaktur",den 30 Quadratmeter großen Raum, in dem sie das Müsli von Hand abfüllen. Das Lebensmittelgesetz verlangt Boiler, Waschbecken, Glattputz und Latexfarbe sowie geeichte Waagen, Stückpreis 300 Euro.

Marketing mit Blogs

Nur ins Marketing investiert Mymuesli keinen Cent. Die Werbung entsteht - dem Umfrageergebnis zum Trotz - im Internet. Dort schreiben Bessau und Wittrock einen Blog über "Konsumgütervielfalt und Ästhethik". "Wir wollten das Medium kennenlernen",“sagt Bessau. Sie lernen, wie schnell interessante Seiten weiterverlinkt werden, wenn meinungsstarke Blogs darauf hinweisen. Die Jungunternehmer kommen mit anderen Bloggern in Kontakt und können so 150 E-Mail-Adressen von Bloggern einsammeln, die rechtzeitig zum Geschäftsstart von Mymuesli benachrichtigt werden wollen.

Am 30. April 2007, um fünf Uhr morgens, schalten sie die Seite frei. "Wir saßen vor dem Monitor, und es hätte uns nicht gewundert, wenn es nachmittags um drei Uhr einmal ,pling’ macht, und das ist die erste Bestellung",“sagt Bessau, "aber die Seite war gerade ein paar Sekunden freigeschaltet, und es machte pling-pling-pling-pling-pling."

Nicht auf den billigsten Anbieter setzen

"Innerhalb weniger Tage gibt es 400 Blog-Einträge und um die 100.000 Einträge bei Google. Die Bestellungen kommen so schnell, dass nach zwei Wochen die Dosen ausgehen. Die Blogosphäre hilft auch bei unternehmerischen Startschwierigkeiten. "Als wir die Dosen in Pakete verpacken wollten, bekamen wir 30 Mails, in denen uns Hersteller empfohlen wurden." Auch ein gutes Logistikunternehmen können die bloggenden Kunden empfehlen, als der Dienstleister, den Mymuesli zuerst beauftragt hat, ständig beschädigte Ware ausliefert. Dazu gleich noch ein Tipp von Hubertus Bessau: "Niemals einen Anbieter nehmen, nur weil er der Billigste ist."

* Ursprünglich stand hier, das Mymuesli innerhalb der ersten fünf Monate mehr als 12 000 Dosen verkauft und 70 000 Euro Umsatz erzielt hätte. Dies beruhte auf einem Rechenfehler auf Seiten der FTD.

 
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