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von Lukas große Klönne, erschienen am 26. März 2009

Gehaltsverhandlung und Gehaltserhöhung

Die berühmt berüchtigten Do‘s & Don‘ts gibt es in allen Lebensbereichen. Natürlich auch zum Thema Gehaltsverhandlung mit dem Ziel einer Gehaltserhöhung. Wie erfolgreich verhandelt wird, wollen wir Dir mit den wichtigsten Tipps und Tricks erklären.

Der Zeitpunkt muss passen

Die Frage nach den Gehaltsvorstellungen und damit die erste Gehaltsverhandlung kommen für Dich als Absolvent in der Regel am Ende des Vorstellungsgesprächs. Es kann aber auch sein, dass Du bereits im Bewerbungsschreiben einen Gehaltswunsch formulieren solltest.

Als Young Professional kommt es für Dich zur Gehaltsverhandlung entweder beim Arbeitsgeber- oder beim Positionswechsel innerhalb des Unternehmens. Auch hier solltest Du es wie beim Berufseinstieg machen: das Vorstellungsgespräch oder die Gespräche über den Positionswechsel nutzen, um über eine angemessene Vergütung zu sprechen. Dies betonen wir, weil es noch immer Arbeitgeber gibt, die diese Frage gerne auslassen.

Die zweite Möglichkeit ist für Young Professionals nach bestimmten Leistungen, z.B. ein erfolgreich beendetes Projekt, eine übererfüllte Aufgabe oder eine berufliche Fortbildung, eine Gehaltsaufstockung einzufordern. Deine Forderung sollte nicht überzogen sein und kann dann als eine Anpassung der Bezüge gelten. Du leistest ja nun mehr.

Nicht zwischen Tür und Angel

Daniel rettig von der Wirtschaftswoche empfiehlt, mit Deinem Chef einen Termin zu vereinbaren und ihn nicht einfach zwischendurch anzusprechen. Das Thema muss hierbei nicht unbedingt Dein Gehalt sein, Du kannst auch Deine Leistungen diskutieren wollen. Dein Vorgesetzter weiß dennoch, worum es gehen wird.

Kurz vor Deadline oder dem Projektende sind dafür aber ungünstige Zeitpunkte. Ob man während der aktuellen Wirtschaftskrise die Frage nach einer Gehaltserhöhung stellen sollte, wissen die vielen Experten derzeit selbst nicht so genau. Auf der einen Seite sollen viele Unternehmen ihre Gehaltstöpfe zurzeit zusammenstreichen. Auf der anderen haben wir erst den Anfang der Krise gesehen und der Großteil der Firmen hat ihre Budgetplanungen bereits vor dem finanziellen Abschwung abgeschlossen. Zudem brauchen Unternehmen gerade jetzt qualifizierte und hochmotivierte Angestellte, um die Rezession zu überstehen. Kannst Du dies Deinem Chef überzeugend vermitteln, wirst Du davon ganz sicher profitieren. Ist die Krise irgendwann überstanden, wird dann jeder mit Wünschen zum Chef kommen und damit wird Dein Stück vom Kuchen immer kleiner.

Gut vorbereiten und starke Argumente liefern!

Die Gehaltsverhandlung sollte nicht sofort mit Deiner Forderung starten. Gehe zunächst eher auf Erfolge von Dir in der Firma ein, damit Dein Chef Dir zustimmen kann. Hierbei gilt: Sei gut vorbereitet (eventuell Notizen und Nachweise zur Hand haben) und mach es kurz und knapp. Keine endlosen Aufzählungen! Du solltest dich auf herausragende Leistungen beschränken.

Dies gilt auch für das Vorstellungsgespräch. Du solltest hier Deine Stärken und Fähigkeiten präsentiert haben und schließlich gekonnt zusammenfassen, was beispielweise so klingen könnte: „Aufgrund meiner praktischen Erfahrungen bei der Firma XYZ in dem gleichen Bereich, in welchem ich hier arbeiten soll, bin ich für den Job sehr gut qualifiziert. Deswegen halte ich ein Einstiegsgehalt von XX Euro im Jahr für angebracht.“ Kannst Du dabei mit besonderen Kenntnissen aufwarten, die bei dem Job benötigt werden, wirst Du Dich von den Mitbewerbern absetzen können und deinen Marktwert steigern.

Übertreibe dabei nicht, sei aber auch nicht allzu zurückhaltend bzgl. Deiner Verdienste. Verwende in Deinen Sätzen daher wenn möglich nicht den Konjunktiv. Sätze wie „Ich hätte gerne…“ oder „200 Euro mehr wären schön“ solltest Du Dir sparen. Ebenso wenig wird Dir Jammern über die steigende Inflation oder die höheren Gehälter der Kollegen helfen, Dein Chef würde Dich nur für eifersüchtig halten und denken, Du könntest nicht mit Geld umgehen.

Young Professional können bis zu 20 Prozent mehr fordern

Wie viel kannst Du nun konkret von Deinem Chef fordern? Diese Frage lässt sich für Young Professionals einfacher beantworten. 10 bis 20 Prozent mehr sind beim Wechsel in ein anderes Unternehmen durchaus angebracht. Ausschlaggebend ist hier die bisher gesammelte Berufserfahrung.

Absolventen, die keine Berufserfahrung vorweisen können, haben es dagegen schwerer, ein passendes Einstiegsgehalt für sich zu ermitteln. So können sie sich natürlich im World Wide Web über vergleichbare Vergütungen in der Vergleichsgruppe informieren; da aber in der Regel viel zu wenig Daten erfasst sind, sind die Werte nur bedingt aussagekräftig.

Bevor Du in die Gehaltsverhandlung gehst, solltest Du für Dich zuvor eine Mindesterhöhung festgelegt haben. Das Gespräch beginnst Du dann mit einer angemessenen Obergrenze. Deine Wunschsumme sollte in etwa in der Mitte liegen. Eine kleine Merkhilfe: eine Gehaltserhöhung unter drei Prozent gleicht noch nicht mal die Inflation aus.

Nachgeben kann zum Ziel führen

Dein Chef wird versuchen, die geforderte Gehaltserhöhung runterzuhandeln, vielleicht sogar ablehnen. Die Messe ist damit aber noch nicht gesungen, warum heißt es denn auch Gehaltsverhandlung? Gibst du beispielsweise etwas nach, hat dein Gegenüber das Gefühl, Dir etwas abgerungen zu haben.

Vermeide es auch deine besten Argumente als erstes zu verpulvern. Das Ziel sollte sein, Deinen Chef mit zweitrangigen Argumenten aus der Deckung zu locken und am Ende mit dem stärksten Argument zu triumphieren. Behalte im Hinterkopf: Dein Chef wird sicherlich schon viel mehr über Gehälter verhandelt haben als Du. Auf der anderen Seite mögen es Chefs auch nicht mit ihren Oberchefs ums eigene Gehalt zu verhandeln. Auch Chefs sind menschlich.

Einmalzahlungen und Boni

Beißt Du bei Deinem Chef beim Thema Gehalt auf Granit, rät Dir Florian Zick im Focus, es mit sogenannten geldwerten Vorteilen wie Monatskarten für öffentliche Verkehrsmittel, Mitarbeiterrabatte, Benzingutscheine oder eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu versuchen. Beide Seiten können hierbei sogar sparen, da solche Boni teilweise steuerfrei sind. Eine weitere Möglichkeit ist es, Einmalzahlungen oder erfolgsabhängige Bestandteile zum Grundgehalt zu vereinbaren.

Absprachen schriftlich festhalten!

Solltest Du mit all Deinen Bemühungen auch damit beim Chef abblitzen, vereinbare mit ihm, wann das nächste Mal verhandelt wird, z.B. am Ende der Probezeit oder ein Jahr später. Erkundige Dich bei ihm auch, was du in der Zwischenzeit tun kannst, um dann beim nächsten Mal eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Diese Tipps und Hinweise kannst Du ruhig schriftlich festhalten, so dass sich später damit besser argumentieren lässt und Du Dich an Ihnen orientieren kannst.

Du hast im Idealfall natürlich erreicht, was Du Dir erhofft hast. Damit der Chef die Ergebnisse der Verhandlungen nicht vergisst, ist zu empfehlen die Ergebnisse schriftlich festzuhalten und ihm diese zur Erinnerung zu geben. Dies kann in Form einer kurzen Email erledigt werden.

Erhöhungen sind notwendig!

Wenn Du nun denkst: „Das ist mir alles zu anstrengend! Ich hab keine Lust mit meinem Chef diskutieren zu müssen!“, lies noch kurz weiter:

1.       Job-Coach Martin Wehrle hat in seinem Buch "Lexikon der Karriere-Irrtümer" vorgerechnet: 150 Euro im Monat zusätzlich, alle zwei Jahre bringen nach 30 Berufsjahren ca. 432.000 Euro mehr aufs Konto. Das sollte für eine ruhige Rentenzeit reichen.

2.       Die reale Inflation ist weit höher als die offiziell angegebene von ca. drei Prozent. Erinnere Dich nur an die Euro-Umstellung und die damit verbundene Erhöhung der Lebensmittelpreise.

3.       Deine Leistungsfähigkeit erhöht sich mit Deiner Berufserfahrung und den eventuellen Fortbildungen. Für ein schnelleres Auto musst du im Autohaus ja auch mehr bezahlen.

–> Hier erfährst Du, welche Faktoren Dein Gehalt bestimmen und wie unterschiedlich Du als Trainee entlohnt wirst.

Blog: "ABSOLVENTA-Karriereblog"

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