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von Lukas große Klönne, erschienen am 20. März 2009

Welche Faktoren bestimmen das Einstiegsgehalt von Absolventen?

Wenn das Vorstellungsgespräch näher rückt, bereiten sich Absolventen auf mögliche Fragen des Personaler vor und arbeiten Fallstudien genauestens durch. Jedoch vergessen sie oftmals eine ganz entscheidende Frage bei der Vorbereitung: Die nach dem Einstiegsgehalt. Häufig fühlen sich die Kandidaten bei dieser Frage schnell überfordert und unter Druck gesetzt.

Wer aber seinen Marktwert richtig einschätzen kann und sich selbstbewusst verkauft, wird bei dem üblichen Gehaltsspielraum weit oben liegen und einen guten Eindruck bei dem Interviewer hinterlassen.

Doch wie kann ein Absolvent oder Young Professional seine Ausbildung und Fähigkeiten in ein angemessenes Gehalt umsetzen? Die Jobbörse ABSOLVENTA erklärt in der neuen Serie zum Thema Gehalt und Einstiegsgehalt für Absolventen und Young Professionals alles um die Gehaltsverhandlung und Co.

Das Gehalt – Anreiz zum Arbeiten

Das Gehalt ist einer der wichtigsten Reize für den Menschen zu arbeiten. Die anderen zwei bedeutungsvollen Komponenten sind soziale Kontakte in der Arbeit und die Möglichkeit der Weiterentwicklung. 78 Prozent der Absolventen ist laut einer Kienbaum Studie ihr zukünftiges Einkommen bei der Arbeitgeberwahl wichtig, die damit verbundenen Karrierechancen sogar 92 Prozent.

In Deutschland spricht man jedoch nur ungern über das Gehalt. Einige Unternehmen verbieten sogar ihren Mitarbeitern den Austausch über die Gehaltsstrukturen, da als ungerecht empfundene Lohnunterschiede die Motivation im Team senken könnten. Dabei funktionieren wir anscheinend irrational: In einem vielzitierten Harvard-Experiment entschieden sich die meisten Studenten für ein geringeres Gehalt, wenn ihre Mitmenschen nur die Hälfte davon verdienen würden. Dafür lehnten sie ein doppelt so hohes Einkommen ab, wenn ihre Kollegen mehr als sie verdienten.

Das Einstiegsgehalt: Maßstab für Gehaltserhöhung

Das Einstiegsgehalt setzt den Maßstab für spätere Verhandlungen. Wer also glaubt, dass das Einstiegsgehalt nicht so wichtig ist und zu einem späteren Zeitpunkt noch verhandeln kann, irrt sich. Verhandeln sollte man also beim Vorstellungsgespräch oder im Laufe des Bewerbungsprozesses, so der Job-Coach Martin Wehrle in seinem Buch „Lexikon der Karriereirrtümer“. Eine Gehaltserhöhung wird meist nicht in festen Beträgen, sondern in Prozent vom bisherigen Einkommen vereinbart, deswegen zählt natürlich jeder Euro, der von Anfang an verdient wurde.

Später Gehaltssprünge gelingen dann nur noch bei einem Jobwechsel oder bei einer deutlichen Positionsänderungen innerhalb der Firma. So etwa der Wechsel vom Trainee zur Festanstellung.

Studiengang und Arbeitsmarkt

Das Einstiegsgehalt richtet sich nach dem Arbeitsmarkt. So steigt entsprechend das Gehalt in den Branchen mit Fachkräftemangel. Neben dem Studienfach wird vor allem zwischen Fachhochschul- und Universitätsabschlüssen unterschieden. Eine Promotion lässt das Gehalt entsprechend weiter wachsen.

Der Arbeitsmarkt wertet hier anders, als unser Gerechtigkeitssinn: Zunächst erscheint ein Praktikum im Bundestag nicht weniger wert zu sein, als in einem Konsumgüter-Konzern. Der Arbeitsmarkt wertet die letzte Variante (momentan) aber lukrativer.

Ebenso bei den Studienfächern: Die gerne als Blümchenwissenschaften verspotteten Geisteswissenschaften erfordern meist ähnliche kognitive Anstrengungen, wie die technischen Studienfächer. Wer einmal versucht hat, die Kantischen Argumentationen zu durchdringen, weiß was gemeint ist. Dennoch werden künstlerische Berufe und die geisteswissenschaftliche Forschung erheblich schlechter vergütet.

Geld ist nicht alles

Jedoch bieten viele Jobs auch noch andere Entlohnungen als das monetäre Gehalt. Wer wenig verdient, verfügt in seinem Beruf meist über andere Anreize, wie gestalterische Freiheit oder erhält ständig emotionales und aufbauendes Feedback von seinen Klienten.

Ansehen und Status zählen ebenfalls zur Belohnung, wie der Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk im Interview in der SZ erklärt: „Sonst würde ja niemand Lehrer werden wollen. Für ihre Qualifikation werden Pädagogen viel zu schlecht bezahlt, sie haben kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Mein Eindruck ist, dass viele Studenten nur sehr wenig über den Arbeitsmarkt wissen und deshalb von ihrem späteren Verdienst keine Ahnung haben. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Sonst hätten wir in ein paar Jahren keine Geisteswissenschaftler mehr – das wäre ja furchtbar.“

Frauen verdienen mehr

Weibliche Berufseinsteiger unter 30 Jahren verdienen in Führungspositionen laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Durchschnitt sieben Prozent mehr, als ihre männlichen Kollegen. Der Grund ist meist ein besserer Hochschulabschluss. Dass Männer mehr verdienen als Frauen ist also nicht immer der Fall. Ausnahme ist jedoch die technische Branche. Männliche Ingenieure verdienen von Anfang an mehr.

Dass sich das Gehaltsgefüge später umdreht, hat mehrere Gründe. Zum Einen spielen Familie und Babypause bei Frauen eine größere Rolle, vor allem in der Zeit zwischen 30 und 40, wenn die Karriere in die entscheidende Richtung gelenkt wird. Zum Anderen sind Frauen in Gehaltsverhandlungen weniger direkt und scheuen sich mehr vor dem Risiko von Prämienvergütung und Umsatzbeteiligung.

Generell sind Studien zum Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männer mit Vorsicht zu genießen. Frauen sind öfters bereit, in eher schlecht bezahlten Berufen zu arbeiten, etwa als Krankenschwestern. Im akademischen Bereich sind die Gehaltsunterschiede deutlich geringer.

Fazit

Viele Faktoren beeinflussen das Einstiegsgehalt, insbesondere der Studiengang und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Wichtig ist, dass man seinen Marktwert weiß und sich dann überzeugen verkaufen kann.

–> Hier gibt es konkrete Tipps für die Gehaltsverhandlung.

Blog: "ABSOLVENTA-Karriereblog"

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